Berufsunfähigkeitsversicherung: Brauche ich die wirklich?
Das erste richtige Gehalt fühlt sich gut an. Noch besser ist das Gefühl, auf eigenen Beinen zu stehen.
Vielleicht haben Sie gerade Ihre Ausbildung abgeschlossen, sind nach dem Studium in den Beruf eingestiegen oder haben sich in Tübingen und Umgebung Ihre erste eigene Wohnung eingerichtet.
Das Geld reicht für Miete, Alltag, Urlaub und vielleicht bleibt sogar etwas zum Sparen übrig.
Vielleicht sind Sie auch gerade in die Selbstständigkeit gestartet, arbeiten freiberuflich oder bauen Ihr eigenes Unternehmen auf.
„Berufsunfähigkeitsversicherung? Ich bin jung und gesund. Brauche ich die wirklich?“
Diese Frage ist verständlich. Schließlich gibt es spannendere Dinge, für die man sein Geld ausgeben kann.
Aber haben Sie sich schon einmal gefragt, was passiert, wenn Ihr Einkommen plötzlich wegfällt?
Nicht weil Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren oder zu wenige Aufträge bekommen. Sondern weil Sie aus gesundheitlichen Gründen längere Zeit nicht mehr wie gewohnt arbeiten können.
Ihr Einkommen bezahlt mehr als nur Ihre Rechnungen
Wenn wir über Versicherungen sprechen, denken viele zuerst an das Auto, das Fahrrad oder die Wohnungseinrichtung.
Dabei ist etwas anderes oft viel wertvoller: Ihr zukünftiges Einkommen.
Davon bezahlen Sie nicht nur Miete, Lebensmittel und laufende Verträge. Ihr Einkommen ermöglicht Ihnen auch, unabhängig zu leben, Pläne zu verwirklichen und Rücklagen aufzubauen.
Stellen Sie sich vor, Sie verdienen monatlich 2.500 Euro netto. Das sind 30.000 Euro im Jahr. In zehn Jahren wären es bereits 300.000 Euro – ohne Gehaltserhöhungen.
Das ist keine Prognose, sondern ein einfaches Rechenbeispiel. Es zeigt, warum die Fähigkeit, eigenes Geld zu verdienen, für Ihre finanzielle Zukunft eine so große Rolle spielt.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, was Sie heute verdienen. Sondern wovon Sie leben würden, wenn Sie dieses Einkommen nicht mehr erzielen könnten.
Was Ihr Einkommen über die Jahre bedeutet
Vereinfachtes Beispiel ohne Gehaltsänderungen. Keine Empfehlung für eine bestimmte BU-Rentenhöhe.
Berufsunfähigkeit kann jeden Beruf treffen
Viele denken bei Berufsunfähigkeit zuerst an einen schweren Unfall.
Dabei können auch körperliche oder psychische Erkrankungen dazu führen, dass jemand seine bisherige Arbeit nicht mehr wie gewohnt ausüben kann.
Und das betrifft nicht nur Menschen, die körperlich schwer arbeiten.
Drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Situationen aussehen können.
Die 27-jährige Softwareentwicklerin
Nach einer schweren psychischen Erkrankung kann sie sich über längere Zeit nicht ausreichend konzentrieren, um ihre bisherige Arbeit zuverlässig auszuüben.
Der 24-jährige Handwerker
Wegen einer Erkrankung der Wirbelsäule kann er nicht mehr regelmäßig schwer heben, knien oder über Kopf arbeiten.
Die 32-jährige Selbstständige
Nach einer schweren Erkrankung ist sie über Monate stark erschöpft. Kundentermine, Aufträge und ihren bisherigen Arbeitsalltag kann sie gesundheitlich nicht mehr bewältigen.
Alle drei möchten wieder gesund werden und arbeiten.
Trotzdem stellt sich dieselbe Frage:
Wie werden Miete, Lebenshaltungskosten und andere Verpflichtungen bezahlt, solange das gewohnte Einkommen fehlt?
Krankgeschrieben, länger arbeitsunfähig oder berufsunfähig?
Diese Begriffe werden häufig verwechselt. Für die finanzielle Absicherung ist der Unterschied aber entscheidend.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht dafür gedacht, jede kurze Krankschreibung abzusichern. Sie kann jedoch wichtig werden, wenn die gesundheitlichen Einschränkungen erheblich sind und über längere Zeit anhalten.
Und: Berufsunfähig bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie nie wieder arbeiten können.
Vorübergehend arbeitsunfähig
Nach einer Operation sind Sie beispielsweise acht Wochen krankgeschrieben. Anschließend können Sie wieder arbeiten.
Arbeitnehmer erhalten bei Krankheit grundsätzlich zunächst Lohnfortzahlung, in der Regel für bis zu sechs Wochen. Danach kann bei gesetzlich Versicherten Krankengeld folgen.
Selbstständige müssen ihre Einkommensabsicherung bei Krankheit selbst organisieren. Dafür ist ein passend vereinbartes Krankentagegeld wichtig.
Eine kurze Krankschreibung allein begründet keinen Anspruch auf eine BU-Rente.
Über viele Monate arbeitsunfähig
Aus acht Wochen werden acht Monate. Die Behandlung dauert an und eine Rückkehr in den Beruf ist noch nicht absehbar.
Krankengeld kann deutlich unter dem bisherigen Nettoeinkommen liegen und ist zeitlich begrenzt. Auch für Selbstständige ist deshalb ein ausreichend vereinbartes Krankentagegeld wichtig.
Bei manchen BU-Verträgen ermöglicht ein zusätzlicher AU-Baustein eine zeitlich begrenzte Leistung bei längerer Arbeitsunfähigkeit.
Berufsunfähig – auch wenn eine Besserung möglich ist
Sie können Ihren zuletzt in gesunden Tagen ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich mindestens sechs Monate lang zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben.
Liegt Berufsunfähigkeit im Sinne der vereinbarten Versicherungsbedingungen vor, zahlt die Versicherung die vereinbarte monatliche BU-Rente.
Die Zahlung erfolgt, solange die versicherte Berufsunfähigkeit besteht, längstens bis zum vereinbarten Ende der Leistungsdauer.
Sie müssen dafür nicht dauerhaft berufsunfähig bleiben. Auch bei einer späteren Genesung kann zuvor ein Anspruch auf BU-Leistungen bestanden haben.
Wofür ist die BU-Rente eigentlich gedacht?
Die Berufsunfähigkeitsrente ist kein zusätzliches Taschengeld. Sie sichert Ihren Lebensunterhalt ab, wenn Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst für Ihr bisheriges Einkommen sorgen können.
Denn viele Ausgaben laufen einfach weiter:
-
Miete und Nebenkosten
-
Lebensmittel und alltägliche Ausgaben
-
Krankenversicherung und andere notwendige Versicherungen
-
Mobilität und laufende Verpflichtungen
-
Finanzielle Vorsorge und Rücklagen
Wie hoch Ihre monatliche BU-Rente sein sollte, lässt sich deshalb nicht allein aus Ihrem Alter ableiten.
Wer noch bei den Eltern wohnt, hat andere finanzielle Verpflichtungen als jemand mit eigener Wohnung, Familie oder Immobilienfinanzierung.
Entscheidend ist, wie viel Geld Sie persönlich benötigen würden, wenn Ihr gewohntes Einkommen fehlt.
Warum gerade zwischen 20 und 35 darüber nachdenken?
In diesen Jahren verändert sich oft besonders viel: Ausbildung, Studium, Berufseinstieg, Selbstständigkeit, eigene Wohnung, berufliche Weiterentwicklung oder Familiengründung.
Mit jedem Schritt wachsen Ihre Möglichkeiten – manchmal aber auch Ihre finanziellen Verpflichtungen.
Es lohnt sich, die Berufsunfähigkeitsversicherung frühzeitig anzugehen. Denn Eintrittsalter, Gesundheitszustand und berufliche Tätigkeit spielen beim Abschluss eine wichtige Rolle.
Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell irgendeinen Vertrag abzuschließen.
Es geht darum, sich rechtzeitig mit der eigenen finanziellen Sicherheit zu beschäftigen, solange unterschiedliche Möglichkeiten offenstehen.
Und noch etwas wird häufig übersehen: Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht nur für die berufliche Situation gedacht, in der Sie sie heute abschließen.
Ihr Leben verändert sich. Ihre BU begleitet Sie.
Heute Berufseinsteiger, später vielleicht selbstständig, mit Familie oder in einem anderen Beruf: Vieles verändert sich. Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung begleitet Sie bei vereinbarter Laufzeit bis 67 durch unterschiedliche Lebensphasen.
Sie starten ins Berufsleben
Sie schließen Ihre BU ab
Sie vereinbaren eine monatliche BU-Rente und eine Laufzeit bis 67. Damit sichern Sie Ihr Einkommen für den Fall einer Berufsunfähigkeit ab.
Ihr Gehalt steigt
Sie entwickeln sich beruflich weiter und verdienen mehr. Vielleicht steigen damit auch Ihre Ausgaben.
Neue Pläne, neue Verantwortung
Sie machen sich selbstständig
Sie gründen Ihr eigenes Unternehmen. Ihr Einkommen hängt nun noch direkter von Ihrer Arbeitsfähigkeit ab. Ihre bestehende BU bleibt erhalten.
Sie gründen eine Familie
Vielleicht heiraten Sie, bekommen ein Kind oder kaufen eine Immobilie. Ihre finanziellen Verpflichtungen können dadurch steigen.
Sie übernehmen dauerhaft die Familienarbeit
Vielleicht geben Sie Ihren bisherigen Erwerbsberuf auf und kümmern sich dauerhaft um Kinder und Haushalt. Entsprechend den Versicherungsbedingungen wird auch die Tätigkeit als Hausfrau oder Hausmann als Beruf anerkannt. Ihre bestehende BU bleibt erhalten.
Sie steigen in Teilzeit wieder ein
Sie nehmen Ihre Erwerbstätigkeit wieder auf, zunächst mit weniger Wochenstunden. Die vereinbarte BU-Rente sinkt durch den Wechsel in Teilzeit nicht. Eine gute Teilzeitklausel schützt vor Nachteilen bei der Leistungsprüfung.
Ihr Berufsleben entwickelt sich weiter
Sie wechseln in eine weniger körperliche Tätigkeit
Vielleicht übernehmen Sie künftig Planung, Organisation oder Büroarbeit statt körperlich anstrengender Aufgaben.
Sie verändern Ihre Arbeitszeit erneut
Vielleicht arbeiten Sie wieder Vollzeit oder reduzieren Ihre Wochenstunden. Die vereinbarte BU-Rente bleibt unverändert.
Ihre vereinbarte BU-Laufzeit endet
Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung hat Sie durch unterschiedliche berufliche und private Lebensphasen begleitet. Mit 67 endet der vereinbarte Versicherungsschutz.
Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung begleitet Sie durch berufliche und private Veränderungen. Mit den passenden Vertragsbedingungen bleibt Ihr Schutz auf Ihre Lebensentwicklung ausgerichtet.
Fiktiver Lebenslauf zur Veranschaulichung. Die dargestellten Nachversicherungs- und Anpassungsmöglichkeiten richten sich nach den vereinbarten Versicherungsbedingungen.
Welcher Berufsunfähigkeitsschutz passt zu Ihnen?
Die richtige Absicherung beginnt nicht mit einem Versicherungsvergleich, sondern mit einem Blick auf Ihre eigenen Zahlen.
Stellen Sie sich vor, Ihr gewohntes Gehalt oder Ihr Einkommen aus der Selbstständigkeit fällt für längere Zeit weg. Wie würde Ihr Alltag dann aussehen?
Vielleicht könnten Sie Ihre Miete noch einige Monate aus Ersparnissen bezahlen. Doch was passiert danach? Welche Ausgaben laufen weiter? Und welche Einnahmen stehen Ihnen überhaupt noch zur Verfügung?
Um Ihren persönlichen Absicherungsbedarf einzuschätzen, helfen Ihnen einige einfache Fragen:
-
Ihr Einkommen: Wie viel Geld steht Ihnen monatlich tatsächlich zur Verfügung?
-
Ihre Ausgaben: Was benötigen Sie für Miete, Lebenshaltung, Versicherungen und andere Verpflichtungen?
-
Ihre Rücklagen: Wie lange könnten Sie davon leben, wenn Ihr Einkommen ausbleibt?
-
Ihre vorhandene Absicherung: Welche Leistungen würden Sie bei längerer Krankheit oder Berufsunfähigkeit tatsächlich erhalten?
-
Ihre Zukunft: Wie könnten sich Ihre Ausgaben und Ihr Absicherungsbedarf in den nächsten Jahren verändern?
Aus diesen Antworten ergibt sich ein klareres Bild: Welchen finanziellen Ausfall könnten Sie selbst überbrücken – und welche monatliche BU-Rente wäre sinnvoll?
Erst dann lohnt sich der Blick auf Beiträge, Leistungen und Vertragsbedingungen.
Denn nur wer die Zahlen, Daten und Fakten seiner eigenen Situation kennt, kann eine fundierte Entscheidung treffen.
Und genau darum geht es: Nicht irgendeine Berufsunfähigkeitsversicherung zu finden, sondern eine Absicherung, die zu Ihrem Leben und Ihren finanziellen Möglichkeiten passt.
Was kostet eine gute BU-Versicherung?
Eine sehr gute Berufsunfähigkeitsversicherung kann bereits ab etwa 50 Euro im Monat möglich sein. Nach oben sind die Beiträge offen. Wie hoch Ihr persönlicher Beitrag ausfällt, zeigt erst ein individuelles Angebot.
Es geht um Ihre Möglichkeiten von morgen
Vielleicht werden Sie nie berufsunfähig. Das wäre der beste Fall.
Doch wenn eine längere Erkrankung Ihre beruflichen Pläne durchkreuzt, kann eine passende finanzielle Absicherung einen wichtigen Unterschied machen.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist keine Entscheidung, die Sie allein aufgrund Ihres Alters treffen sollten. Und auch keine, für die Sie sich vorschnell entscheiden müssen.
Die wichtigste Frage ist: Welches finanzielle Risiko würden Sie persönlich tragen, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben könnten?
Wer diese Frage beantworten kann, hat eine deutlich bessere Grundlage für seine Entscheidung.
Wenn Sie dabei Unterstützung wünschen, können wir gemeinsam einen Blick auf Ihre persönliche Situation werfen – verständlich, ohne Zeitdruck und online oder telefonisch.
Wie gut ist Ihr Einkommen abgesichert?
Finden Sie heraus, welche finanzielle Absicherung zu Ihrer persönlichen Situation passen könnte.
Persönliche Beratung anfragen →Quellen und Weiterführende Informationen
-
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin): Berufsunfähigkeitsversicherung ↗ – Informationen zum Versicherungsschutz und zu wichtigen Vertragsbedingungen.
-
Bundesgesundheitsministerium: Krankengeld ↗ – Informationen zur gesetzlichen Absicherung bei längerer Arbeitsunfähigkeit.
-
Deutsche Rentenversicherung: Erwerbsminderungsrente ↗ – Erläuterungen zur gesetzlichen Erwerbsminderungsrente, die sich von einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung unterscheidet.